Therapie nach Bobath – Ergotherapie

Die Therapie nach Bobath richtet sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit angeborenen und/oder erworbenen Störungen des Zentralnervensystems, sensomotorischen Auffälligkeiten, kognitiven Beeinträchtigungen und anderen neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose, apoplektischer Insult (Schlaganfall), Schädel-Hirn-Traumata.

Behandlungsprinzipien nach Bobath

Aufgrund der Diagnose wird ein individueller Befund erstellt. Im Vordergrund steht die Beobachtung der Eigenaktivität und Fähigkeit des Betroffenen im alltäglichen Leben. Diese werden im fortlaufenden Prozess durch die enge Verbindung von Befund und Therapie immer wieder neu definiert, so wird eine regelmäßige Erfolgskontrolle garantiert.

Im Bobath-Konzept wird mit drei Behandlungstechniken gearbeitet, die in der Therapie je nach Behandlungsschwerpunkt ineinander übergehen.

Stimulation

Vorbereitung und Einleitung von Bewegung durch zwei unterschiedliche Stimulationstechniken, die unmittelbar die Nahsinne ansprechen. Es wird die hemmende (inhibitorische) von der aktivierenden (facilitierenden) Stimulation unterschieden. Durch die Stimulation werden die unterschiedlichen Wahrnehmungssysteme angesprochen.

Inhibition

Hemmung von Tonus und pathologischen Bewegungsmustern, um eine bessere Ausgangssituation für aktive Bewegungen zu schaffen.

Fazilitation

Anbahnen physiologischer Bewegungsmuster. Eine wichtige Voraussetzung, um die Variationen der Bewegungsmuster zu kennen, ist eine gute Bewegungsanalyse der normalen sensomotorischen Bewegungsentwicklung.

Bei der Inhibition und Fazilitation gilt das Prinzip der abnehmenden Hilfe: So viel aktive Kontrolle wie möglich dem Patienten überlassen, so wenig Führung für physiologische Bewegungsmuster wie nötig übernehmen.

Im Unterschied zu anderen Therapieformen existieren im Bobath-Konzept keine standardisierten Übungen. Im Vordergrund stehen individuelle und alltagsbezogene therapeutische Aktivitäten (Kommunikation, Körperpflege, An- und Auskleiden, Fortbewegung) sowie die Anleitung der betreuenden Personen und die Anpassung des Umfeldes (Lagerungs-, Sitz-, Steh- und Fortbewegungshilfen) sowie die Adaptierung von Gebrauchsgegenständen.

In der Ergotherapie geht es um Angebote und Hilfestellungen für eine bessere Körperwahrnehmung und die Verarbeitung von Reizen aus der Umwelt, um sie im Handeln zu integrieren.

Ein weiteres Anliegen ist die Förderung der handmotorischen, kognitiven und sozial-emotionalen Entwicklung in Verbindung mit Handlungen des Alltags.

Ein therapeutisches Ziel ist, dass die Betroffenen wieder einen Zugang zu den Bewegungsmustern finden, welche ihnen die größtmögliche Unabhängigkeit ermöglichen.

Dazu gehört die Verbesserung des Gleichgewichtes als Basis für normale selektive Haltung und Bewegung, sowie der qualitative und quantitative Zuwachs im Bewegungs- und Funktionsrepertoire.

Der Patient sollte zunehmend aktiver und ökonomischer die für ihn notwendigen Handlungen durchführen sowie eigene Problemlösungsstrategien bezogen auf seinen individuellen Lebenskontext finden können.

Alle diese Maßnahmen dienen dazu, körperliche Sekundärschäden wie Kontrakturen, Luxationen und Deformitäten zu verhindern, aber auch Folgen im emotionalen und sozialen Bereich positiv zu beeinflussen oder in Grenzen zu halten.

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