Marianne Frostig Konzept

Worauf wird bei ihrem Ansatz großes Gewicht gelegt?

  • Diagnostische Beobachtung und Beurteilung der Stärken und Schwierigkeiten eines Kindes
  • Individualisierung
  • Motivation vielfältige
  • Methodik  systematisches Vorgehen

Bekannt wurde der nach ihr benannte „Frostigs Entwicklungstest der visuellen Wahrnehmung“ (FEW). Damit wurde eine diagnostische Differenzierung visueller Wahrnehmung möglich (visuo-motorische Koordination, Figur-Grund-Wahrnehmung, Wahrnehmungskonstanz, Wahrnehmung der Raumlage und räumlicher Beziehungen). Neben vielen anderen Publikationen hat sie die “Bewegungserziehung. Neue Wege der Heilpädagogik” entwickelt und veröffentlicht.

Frostigs „Educational Therapy“ wird in Deutschland von der Internationalen Frostig-Gesellschaft weiter entwickelt.

FEW-2 – Frostig Entwicklungstest der visuellen Wahrnehmung-2

Der FEW 2 ist der Nachfolger vom FEW und die Normierung (2008) des DTVP 2 für deutschsprachige Kinder (Deutschland/Schweiz/Österreich).

Dieser Test erfasst Kinder zwischen 4 und 9 Jahren. Er erlaubt eine differenzierte Beurteilung der kindlichen Entwicklung zur visuellen Wahrnehmung mit Hilfe von insgesamt 8 Subtests:

  • Auge-Hand-Koordination
  • Lage im Raum
  • Abzeichnen
  • Figur-Grund
  • Räumliche Beziehungen
  • Gestaltschließen
  • Visuo-motorische Geschwindigkeit
  • Formkonstanz

Einsatzmöglichkeiten des FEW-2

Der FEW-2 hat drei Hauptanwendungsgebiete. Er kann dazu dienen:

  • visuelle Wahrnehmungsstörungen oder visuomotorische Störungen und ihr Ausmaß bei einzelnen Kindern zu dokumentieren.
  • Problemfälle für eine Überweisung an Sonderschulen oder eine Zuweisung zur Therapie zu identifizieren.
  • Die Effektivität von Behandlungen zu überprüfen.

Die acht Subtests des FEW-2

  • Visuomotorische Koordination: Die Fähigkeit, das Sehen mit den Bewegungen des Körpers oder Teilen des Körpers zu koordinieren. Wenn ein Kind einen Ball tritt oder fängt oder eine Fläche ausmalt, wird seine Bewegung durch die Augen gelenkt. Fast jede Handlung hängt von der guten Koordination von Augen und anderen Körperteilen ab.
  • Wahrnehmung der Raumlage: Die Fähigkeit, die Lage eines Gegenstandes im Bezug zum Wahrnehmenden zu erkennen. Ausgangspunkt ist der Körper, der die Position der Raumlage reguliert; Grundvoraussetzung ist die eigene Körperwahrnehmung. Räumlich gesehen ist der Betrachter immer der Mittelpunkt seiner Umgebung. So können Gegenstände oder Personen als vor, hinter, über, unter oder seitlich bestimmt werden.
  • Abzeichnen: Ist die Fähigkeit, die Merkmale einer Zeichnung zu erkennen und diese vom einem Modell abzuzeichnen.
  • Figur- Grund- Wahrnehmung: Die Fähigkeit, eine Figur vor einem unwichtigen Hintergrund scharf zu sehen: zum Beispiel einen Schlüssel auf einem Kiesweg wieder zu finden oder die Mutter in einer Menschenansammlung zu erkennen. Wir sehen am deutlichsten die Gegenstände, auf die wir unsere Aufmerksamkeit richten. Die anderen bleiben im Hintergrund und werden nicht deutlich wahrgenommen. Bewußt können wir unsere Aufmerksamkeit vom Vordergrund auf den Hintergrund und umgekehrt richten.
  • Wahrnehmung räumlicher Beziehungen: Die Fähigkeit, die Lager zweier oder mehrerer Dinge in Bezug zueinander und zur eigenen Person zu setzen. So muss ein Kind, das Perlen auffädelt, die Lage von Perle und Schnur zu sich selbst wahrnehmen und zugleich die Beziehung zwischen Perle und Schnur zueinander herstellen.
  • Gestaltschließen: Ist die Fähigkeit, eine Reizfigur zu erkennen, wenn diese unvollständig vorliegt.
  • Visuo-motorische Geschwindigkeit: Maß für die Schnelligkeit, mit der ein Kind vorgegebene Zeichen in bestimmte Formen einzeichnen kann.
  • Wahrnehmungskonstanz: Die Fähigkeit, einen Gegenstand trotz unterschiedlichen Netzhautbildes als denselben wiederzuerkennen, unabhängig von Größe, Farbe, Form, Helligkeit und Lage. Zum Beispiel wird eine Uhr immer als Uhr erkannt, unabhängig davon, ob sie am Arm getragen wird oder an der Wand hängt und ob sie rund oder eckig, groß oder klein ist.